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12. Tag | Regentag am Gletscher, leider

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Nationalfeiertag ist heute in Island. Doch davon bekommen wir nichts mit. Nach einer echt windstillen Nacht setzt morgens um 7 Uhr Dauerregen ein, so dass wir den ganzen Tag das Zelt nicht verlassen. Die Sichtweite beträgt ohnehin 10 Meter. Ansonsten ist alles im Nebel verschwunden: das Meer, der Gletscher und auch der markante andere Berg. Wir hangeln uns mit Essen (Käsebrot, Kekse, Fertiggericht (brrr!), Nüsse), Tagebuch führen, Postkarten schreiben und Lesen durch diesen grauen feuchten Tag. Dazu gibt es viel von dem neuen Kirscharoma-Früchtetee. Zu einem Aufbruch bin ich nicht zu motivieren, da wir ohnehin nicht mehr weit kommen werden und auch wieder den Bus nach Ólavsvik nehmen werden müssen. [Ich freue mich schon sehr darauf – besonders auf die lange Pause in Hellissandur. Aber was soll man tun?] Zu unserem Bedauern müssen wir feststellen, dass das Schwimmbad in Ólavsvik sonntags nicht geöffnet ist. Das bedeutet wohl eine Übernachtung auf dem Campingplatz, da ich gern noch mal duschen würde und müsste, bevor es Montag früh nach Reykjavik geht. >>>>



Einzige Aktion des Tages: Zeltverschiebung um ca. 3 m; unter dem Zelt hatte sich Wasser gesammelt, was dazu führt, dass der Zeltboden eiskalt wird. Der Nebel ist heute sozusagen blickdicht). Im Gegensatz zum Eldborg-Lavafeld ist das Gestein hier weniger porös, es gibt jede Menge Geröll, aber auch massives Gestein. Beim Wasserholen betrachten wir die vielseitigen Formen, die steter Tropfen schuf: Tief schneidet der Bach sein Bett in den Fels und bildet dabei stromlinienförmige und doch verschlungene Formen als Abdruck und Form einer dem Wasser eigenen Dynamik. Momentan fließt fast kein Wasser und ich folge dem Bachlauf ein ganzes Stück. Immer neue Windungen, Becken, Höhlungen und elegant geschwungene Bahnen tauchen auf. Hierher verirrt sich sicher so gut wie nie ein Mensch – in Deutschland wäre dieser sagenhafte Bachlauf wahrscheinlich Sehenswürdigkeit einer ganzen Region. Leider macht der Sprühregen den Aufenthalt draußen unangenehm und bei Sichtweite unter 30 m muss man sogar fürchten, das Zelt nicht wiederzufinden. Ob das Wetter unten an der Küste auch so ist oder nur hier oben eine Wolke hängt, in der wir festsitzen?